Ein gutes Audit fördert fast immer dieselbe unangenehme Überraschung zutage: Du steckst die meiste Zeit in genau die Plattform, die am wenigsten bringt.
Das ist das Tückische an Social Media: Du kannst jeden Tag posten, deine Followerschaft vergrößern, dich sogar produktiv fühlen, und dabei komplett übersehen, wo deine Mühe sich tatsächlich auszahlt. Ein Audit erzählt dir nicht, was du ohnehin schon weißt. Es zeigt dir, was du die ganze Zeit übersehen hast.
Hier ist ein Vorgehen, das du jeden Monat durchziehen kannst, die Art von Bestandsaufnahme, die genau solche Schieflagen aufdeckt und dir Stunden in der Woche freischaufelt.
Der 3-Fragen-Audit
Jedes brauchbare Audit läuft auf drei Fragen hinaus:
- Was funktioniert? (Davon mehr)
- Was funktioniert nicht? (Stoppen oder reparieren)
- Was fehlt? (Damit anfangen)
Das ist das ganze Gerüst. Keine Matrizen, kein 20-seitiger Report. Die Plattformen liefern dir die Zahlen. Diese Fragen zwingen dich zu sagen, was diese Zahlen für dein Business bedeuten.
Die Überraschungen sind der Punkt, an dem ein Audit sich rechnet. Deine aktivste Plattform ist vielleicht deine ineffektivste. Deine Reels bekommen vielleicht Views, aber keine Klicks, während ein "langweiliges" Karussell still und leise Leads bringt. Deine Follower sind womöglich gar nicht deine Kunden. Nichts davon kommt ans Licht, wenn du nicht gezielt hinschaust.
Bevor du anfängst: Werkzeuge zusammensuchen
Du brauchst:
- Zugang zu den nativen Analytics jeder Plattform (Instagram Insights, LinkedIn Analytics, Twitter/X Analytics, TikTok Analytics)
- Google Analytics (für den Website-Traffic aus Social Media)
- Eine simple Tabelle oder ein Dokument, um deine Erkenntnisse festzuhalten
- 30 ungestörte Minuten
Wenn du ein Social-Media-Management-Tool nutzt, kannst du die meisten dieser Daten aus einem einzigen Dashboard ziehen. Unser Leitfaden zu Social-Media-Analytics erklärt, welche Kennzahlen wirklich zählen und wo du sie findest.
Der 30-Minuten-Audit Schritt für Schritt
Minute 1-5: Konten-Inventur
Liste als Erstes jedes Social-Media-Konto auf, das deine Marke hat. Klingt banal, aber viele haben vergessene Konten, doppelte Profile oder Plattformen, die sie längst nicht mehr nutzen.
Für jedes Konto festhalten:
- Plattform
- Username/Handle
- Followerzahl
- Kontotyp (privat, Business, Creator)
- Datum des letzten Posts
- Vollständigkeit des Profils (Bio, Profilbild, Links, Highlights)
To-dos aus diesem Schritt:
- Lösche oder archiviere inaktive Konten, die du nicht wiederbeleben willst
- Sichere dir deinen Markennamen auf Plattformen, auf denen du noch nicht aktiv bist (auch wenn du dort nicht postest)
- Bring unvollständige Profile in Ordnung (fehlende Bio, kaputte Links, veraltete Profilbilder)
Minute 5-12: Der 80/20-Plattform-Test
Hier wird es bei den meisten Audits aufschlussreich. Zieh für jede aktive Plattform diese Zahlen der letzten 30 Tage:
Wachstums-Kennzahlen:
- Veränderung der Followerzahl (wie viele gewonnen/verloren)
- Wachstumsrate der Follower in Prozent
Engagement-Kennzahlen:
- Durchschnittliche Engagement-Rate pro Post (mit unserem kostenlosen Rechner ermitteln)
- Gesamtzahl Likes, Kommentare, Shares, Saves
- Bester Post (nach Engagement-Rate, nicht nach Gesamtzahl der Likes)
- Schlechtester Post
Reichweiten-Kennzahlen:
- Durchschnittliche Reichweite pro Post
- Gesamte Impressionen
- Reichweiten-Trend (steigend, fallend oder gleichbleibend gegenüber dem Vorzeitraum)
Traffic-Kennzahlen (aus Google Analytics):
- Sessions aus Social Media
- Welche Plattform den meisten Traffic bringt
- Conversion-Rate der Besucher aus Social Media
Alles in einer simplen Tabelle festhalten:
| Kennzahl | |||
|---|---|---|---|
| Follower | 5.200 | 2.100 | 8.400 |
| Wachstum in 30 Tagen | +340 | +180 | +520 |
| Durchschn. Engagement-Rate | 3,2 % | 4,1 % | 1,8 % |
| Bestes Post-Thema | Karussell: Planungstipps | Text: Building in Public | Thread: Tool-Vergleich |
| Website-Sessions | 420 | 310 | 180 |
Jetzt der 80/20-Test: Welche Plattform liefert 80 % deiner Ergebnisse? Und steckst du dort auch 80 % deiner Zeit hinein, oder woanders?
Laut einer Auswertung von Sprout Social betreut die durchschnittliche Person 3 bis 4 Social-Media-Konten. Aber fast immer stemmen ein oder zwei Plattformen den Großteil der Arbeit.
Minute 12-18: Content-Analyse
Schau dir deine letzten 20 Posts über alle Plattformen hinweg an. Sortiere sie nach:
Content-Art: Lehrreich, werblich, persönlich/hinter den Kulissen, interaktiv (Fragen/Umfragen), kuratiert/geteilt
Format: Bild, Karussell, Video/Reel, Text, Story
Performance-Stufe: Obere 25 %, mittlere 50 %, untere 25 %
Jetzt beantworte diese Fragen:
Welche Content-Art bekommt das beste Engagement? Wenn lehrreiche Karussells werbliche Posts regelmäßig abhängen, weißt du, worauf du dich konzentrieren solltest.
Welches Format läuft am besten? Vielleicht bringen Reels die meiste Reichweite, Karussells aber die meisten Saves. Beides ist wertvoll zu wissen.
Welche Themen kommen am besten an? Sieh dir deine Top-5-Posts an. Gibt es ein Muster beim Thema?
Was läuft schlecht? Was hast du gepostet, das durchweg wenig Engagement brachte? Das ist deine "Damit aufhören"-Liste.
Wie ist dein Content-Mix? Wenn 80 % deiner Posts werblich sind, ist das ein Problem. Ziel sind höchstens 20 % werblicher Content. Die Untersuchung von HubSpot legt die 80/20-Regel nahe: 80 % Mehrwert, 20 % Werbung.
Minute 18-23: Zielgruppen-Analyse
Sieh dir in den Analytics jeder Plattform die Demografie deiner Zielgruppe an:
- Altersverteilung: Passt deine Zielgruppe zu deinem Wunschkunden?
- Standort: Erreichst du Leute in deinem Zielmarkt?
- Aktive Zeiten: Wann sind sie online? Postest du auch zu diesen Zeiten?
- Geschlechterverteilung: Entspricht sie deinen Erwartungen?
Warnsignale, auf die du achten solltest:
- Die Demografie der Zielgruppe passt nicht zu deinem Wunschkunden (du ziehst die falschen Leute an)
- Die meisten Follower sind in einer anderen Zeitzone als der, für die du postest
- Ein nennenswerter Teil der Zielgruppe sitzt an einem Ort, an dem du gar kein Geschäft machst
Chancen-Signale:
- Ein wachsendes Zielgruppensegment, das du noch nicht angesprochen hast
- Starkes Engagement aus einem bestimmten Ort, der zum Markt werden könnte
- Aktive Zeiten, die nicht zu deinem Posting-Plan passen (leicht zu beheben)
Minute 23-28: Schneller Wettbewerbs-Check
Such dir 2 bis 3 Konkurrenten oder Konten aus deiner Nische. Nimm dir 5 Minuten und notiere:
- Welche Content-Arten posten sie am meisten?
- Was bekommt auf ihren Konten das meiste Engagement?
- Sind sie auf Plattformen unterwegs, auf denen du fehlst?
- Was machen sie, das du übernehmen (nicht kopieren) könntest?
Überanalysier das Ganze nicht. Das ist ein schneller Richtungs-Check, keine umfassende Konkurrenzanalyse.
Minute 28-30: To-dos
Schreib auf Basis von allem oben 3 bis 5 konkrete To-dos auf. Keine vagen Ziele, sondern konkrete, umsetzbare Änderungen.
Gute To-dos:
- "Karussells auf 3x/Woche hochfahren (sie schlagen andere Formate um den Faktor 2)"
- "Postingzeit von 9 Uhr auf 8 Uhr vorziehen (Zielgruppe ist zwischen 7 und 9 Uhr am aktivsten)"
- "Werbliche Posts von 40 % auf 20 % des Content-Mix senken"
- "Auf LinkedIn zu posten anfangen (Demografie passt zu unserem Wunschkunden)"
- "2 Reels pro Woche erstellen (aktuell nur 1, aber Reels machen 70 % des neuen Follower-Wachstums aus)"
Schlechte To-dos:
- "Mehr posten" (wie viel mehr? welche Art?)
- "Engagement verbessern" (durch welche konkrete Maßnahme?)
- "Konstanter sein" (was heißt das in der Praxis?)
Wenn dein Audit wild unterschiedliche Performance über die Plattformen hinweg zeigt, heißt die Lösung meist: Aufwand verlagern. Und das ist mühsam, wenn du von Hand über ein Dutzend Dashboards postest und trackst. Wir haben Sydium gebaut, um genau diese Arbeit zusammenzufassen: Es lernt deine Markenstimme (Brand Voice) aus deinen bestehenden Posts und veröffentlicht auf mehreren Plattformen gleichzeitig, damit die Zeit, die du dadurch sparst, in die Strategie-Änderungen fließt, die dein Audit gerade ans Licht gebracht hat.
Die einseitige Audit-Vorlage
Hier ist die vereinfachte Vorlage, die ich selbst nutze:
SOCIAL-MEDIA-AUDIT - [Monat/Jahr]KONTEN:[Plattform] - [Follower] - [Status: Aktiv/Inaktiv/Archiv]PERFORMANCE (Letzte 30 Tage):Beste Plattform: [Plattform] - [Warum]Beste Content-Art: [Art] - [Durchschn. Engagement]Schlechteste Content-Art: [Art] - [Durchschn. Engagement]Website-Traffic aus Social: [Sessions] - [Top-Quelle]80/20-TEST:Plattform mit den meisten Ergebnissen: [Plattform]Zeitaufwand für diese Plattform: [X] %Zu behebende Schieflage: [Ja/Nein - Details]CONTENT-MIX:Lehrreich: [X] %Werblich: [X] %Persönlich/Hinter den Kulissen: [X] %Interaktiv: [X] %Sonstiges: [X] %TOP-3-POSTS:1. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]2. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]3. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]SCHWÄCHSTE 3 POSTS:1. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]2. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]3. [Post-Beschreibung] - [Plattform] - [Engagement-Rate]TO-DOS:1. [Konkrete Maßnahme]2. [Konkrete Maßnahme]3. [Konkrete Maßnahme]Wie oft solltest du auditieren?
- Schnelles Audit (30 Minuten): Monatlich. Das ist das oben beschriebene Vorgehen.
- Tiefes Audit (2-3 Stunden): Quartalsweise. Inklusive Konkurrenzanalyse, Strategie-Review und Neubewertung der Ziele.
- Volles Audit (halber Tag): Jährlich. Komplette Durchsicht von Strategie, Markenpositionierung, Zielgruppen-Recherche und Planung für das nächste Jahr.
Das monatliche Audit ist das Wichtigste, weil es dich reaktionsfähig hält. Social Media bewegt sich schnell, und was im Januar funktioniert hat, funktioniert im März vielleicht nicht mehr. Monatliche Check-ins fangen Probleme früh ab.
Häufige Befunde (und was du dagegen tust)
In fast jedem Audit tauchen ein paar Muster auf. So liest du sie:
- Hohe Reichweite, wenig Engagement. Der Hook zieht, aber der Inhalt liefert nicht. Mach den Content speicherwürdiger: praktische Details, echte Beispiele und ein klarer nächster Schritt. Siehe wie du deine Engagement-Rate steigerst.
- Hohes Engagement, wenig Follower-Wachstum. Dein bestehendes Publikum liebt dich, aber du erreichst keine neuen Leute. Setz stärker auf Video, frische Hashtags, Konten außerhalb deines Kreises und Kooperationen.
- Eine Plattform fegt den Rest vom Tisch. Leg dort nach. Frag dich dann, ob die Nachzügler ihre Existenz rechtfertigen, oder ob die Zeit besser darin steckt, das auszubauen, was funktioniert.
- Werbliche Posts liefern die schlechtesten Zahlen. Das ist normal. Halt Werbung unter 20 % deines Mix, und wenn du wirbst, bring etwas bei, statt nur ein Feature anzukündigen.
- Die Posting-Frequenz ist völlig unstet. Du produzierst Content auf Zuruf. Mach das stattdessen im Block und plane vor. Unser Leitfaden zu wie du Social-Media-Content im Block erstellst führt dich durch.
Ein typisches Audit landet bei zwei oder drei konkreten Maßnahmen: eine Plattform auf das Format ausrichten, das wirklich läuft, eine andere von zwei auf drei Posts pro Woche schubsen und Content dort testen, wo deine Zielgruppe ohnehin schon abhängt. Eine Handvoll Änderungen, in einer halben Stunde gefunden, und die Zahlen des nächsten Monats bewegen sich.
FAQ
Wie auditiere ich ein brandneues Konto mit fast keinen Daten?
Mit weniger als 30 Tagen Daten misst du, was du messen kannst: Vollständigkeit des Profils, Regelmäßigkeit beim Posten, Vielfalt des Contents und qualitative Signale, etwa welche Posts auch bei kleinen Zahlen Kommentare anziehen. Setz jetzt Ausgangswerte fest, damit dein nächstes Audit etwas zum Vergleichen hat.
Was ist der häufigste Fehler bei einem Audit?
Vanity-Metriken hinterherzulaufen. Die reine Followerzahl fühlt sich gut an, sagt dir aber nichts darüber, was du ändern solltest. Verfolge stattdessen Engagement-Rate, Performance nach Content-Art und Traffic. Wenn dein Audit nicht in mindestens drei konkreten To-dos endet, hast du die falschen Fragen gestellt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Audit und einem Report?
Ein Audit ist eine Diagnose: Es prüft deinen Ist-Zustand, findet Probleme und liefert Empfehlungen. Ein Report verfolgt die laufende Performance über einen festen Zeitraum. Es ist der Unterschied zwischen einem Gesundheits-Check und einem Fitnesstracker. Mach das volle Audit quartalsweise und erstelle die Performance-Reports monatlich. Das Audit ändert die Strategie, der Report überwacht die Umsetzung.
Wie auditiere ich die Performance von Hashtags?
Die meisten Plattformen zeigen dir die Quellen deiner Impressionen, also prüf, welcher Anteil der Reichweite aus der Hashtag-Suche kam und welcher aus dem Home-Feed oder Profilbesuchen. Dann teste Sets blockweise: Lass eine Woche Set A laufen, in der nächsten Set B, und vergleiche. Streich Hashtags, die nie für Entdeckung sorgen. Jede Menge Marken recyceln dieselben Tags über Jahre, ohne zu prüfen, ob sie noch wirken.
Sollte ich auch meine privaten Konten auditieren?
Wenn deine privaten Profile mit deinem Business oder deinem beruflichen Ruf verknüpft sind, ja. Viele Gründer und Creator verwischen diese Grenze. Stell zumindest sicher, dass deine privaten Konten deiner Markenbotschaft nicht widersprechen und die Privatsphäre-Einstellungen so sind, wie du es willst, bevor ein Kunde oder Partner über etwas Peinliches stolpert.